Pressemitteilung

Gesundheitsversorgung retten: KVBB stellt klare Forderungen an die Bundespolitik!

Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) nimmt Stellung zu den aktuellen gesundheitspolitischen Plänen der voraussichtlichen Regierungskoalition des Bundes und fordert eine nachhaltige, faire und realisierbare Gestaltung der ambulanten Versorgung.

Prävention mit Augenmaß

Prävention ist essenziell, muss aber auf den bestehenden ärztlichen Strukturen aufbauen. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sind die zentralen Akteure in der Präventionsarbeit. Gleichzeitig ist es entschei­dend, die Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten zu stärken, um nachhaltige Effekte zu erzielen.

Steuerung? Ja – aber fair und mit angemessener Vergütung!

Die KVBB unterstützt ausdrücklich eine stärkere Steuerung in der ambulanten Versorgung. Die konkrete Ausgestaltung dieser Steue­rungsmaßnahmen kann jedoch nur durch die Partner der Selbstver­waltung erfolgen. Zudem muss sichergestellt sein, dass die neuen Steuerungsmechanismen für Patientinnen und Patienten praktikabel und lebbar sind.

Entbudgetierung des fachärztlichen Bereichs – flächendeckend, nicht nur in Notgebieten!

Eine Stärkung der ambulanten Versorgung erfordert eine gesicherte Vergütung. Die Entbudgetierung der Fachärztinnen und Fachärzte darf nicht nur auf unterversorgte Regionen beschränkt bleiben. Honorar­abschläge in überversorgten Gebieten gefährden die Existenz von Fachärztinnen und Fachärzten und damit die Versorgungssicherheit der Patientinnen und Patienten. Eine unzureichende Honorierung könnte den Rückzug aus der ambulanten Versorgung nach sich ziehen – mit gravierenden Folgen für die medizinische Betreuung.

116117: Dringlichkeitsprüfung ja – aber ohne Kostenfalle für Ärztinnen und Ärzte!

Die geplante Erweiterung der Telefonnummer 116117 muss mit einer medizinischen Ersteinschätzung der Dringlichkeit verknüpft werden. Allerdings darf die Finanzierung dieser Terminvermittlungsstelle nicht zulasten der ärztlichen Gesamtvergütung erfolgen. Die KVBB fordert, dass hierfür Mittel aus dem Sondervermögen – insbesondere für energetische Sanierung und Digitalisierung – genutzt werden.

Terminvermittlung: Wer trägt die Verantwortung?

Die Verpflichtung der Kassenärztlichen Vereinigungen, garantierte Facharzttermine zu vermitteln, ohne eine gesicherte Finanzierung, führt zu Überlastung und Frustration. Zudem stellt sich die Frage, was passiert, wenn Termine nicht vermittelt werden können. Der Vorschlag, Kliniken als Auffanglösung einzusetzen, ist angesichts des geplanten Krankenhausumbaus unrealistisch.

Praxen brauchen Investitionen – jetzt!

Für energetische Sanierung und Digitalisierung stehen Mittel aus dem Sondervermögen zur Verfügung. Es ist unerlässlich, dass ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte bei der Vergabe dieser Gelder berücksichtigt werden. Die KVBB fordert eine klare Unterstützung für die dringend benötigten Investitionen in den Praxen.

Innovative Therapien und personalisierte Medizin!

Ja – aber die Folgekosten dürfen nicht auf andere Bereiche abgewälzt werden. Die KVBB begrüßt innovative Therapieansätze insbesondere auch im Arzneimittelbereich. Eine nachhaltig tragbare Finanzierung bedeutet aber auch, dass die aufwändige begleitende Diagnostik, unter anderem in der Humangenetik und in der Labormedizin, zusätzlich zu finanzieren ist. Aktuell bestehen hier bereits enorme induzierte Kostensteigerungen in der ambulanten Versorgung, die zu Lasten der Regelversorgung nicht zu schultern sind. Es bedarf dringend einer umfassenden Regelung zur Finanzierung von Innovationen.

Fazit

Die KVBB appelliert an die Politik, die ambulante Versorgung zukunftssicher und gerecht zu gestalten. Eine faire Vergütung, klare Steuerungsmechanismen und nachhaltige Investitionen sind die Grundlage für eine funktionierende medizinische Versorgung im Sinne der Patientinnen und Patienten.